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Donnerstag, der vierte
Segeltag Am Tag zuvor waren wir durch Wind
und Regen von Langenargen nach Unteruhldingen gesegelt und bevor wir anlegten, warf der
Yachtman steuerbord achtern kurzerhand den Fender über Bord. Keiner wusste, warum er das
tat. Obwohl alle sonst fest ihren Mann stehen, so gibt es doch dunkle Geheimnisse bei
einer Mannschaft, in der jeder von weit her kommt und man von keinem weiß, warum er sich
in dieses Abenteuer gestürzt hat. Vielleicht hatte Yachtman Markus ja recht, als er am
Mittwoch, den 2. Juni angesichts 50 cm hoher Wellen voller Angst floh und uns im Stich
ließ, um sich im trauten Heim zu verstecken. |
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 Mitsegler
Michael |
| Wir erwachten früh nach einer
all zu kurzen Nacht. Der Skipper warf uns raus aus der Koje, da sich hoher Besuch für den
Tag angemeldet hatte. Die Kapitänstochter und ihr Bräutigam wollten das Leben an Bord
kennenlernen. Es galt, klar Schiff zu machen und ein Frühstücksbuffet auf die Beine zu
stellen. Ausgerechnet der finstere Fenderwerfer war mit dem Morgenbanket beauftragt. Aber,
ein Wunder, er zauberte einen prächtigen kleinen Festschmaus. So sahen es jedenfalls die
Mannen unter Deck. Als dann aber der Kronprinz in den Salon hinabstieg, nahm es ihm den
Atem, ob den Ausdünstungen einer seit zig Stunden schwitzenden Mannschaft und er floh
wieder hinauf, unter den regnerischen Himmel. Doch
ich greife vor. Es regnete seit den frühen Morgenstunden in Strömen. Es wäre gar nicht
nötig gewesen, denn wir hatten genug Wasser an Bord. Alle waren etwas nervös und gingen
ihren Pflichten nach an diesem grau verhangenen Morgen. Der Skipper und die Yachtmen Klaus
und Erich besuchten nacheinander den Wasch- und Feudelraum am anderen Ende des Hafens, um
sich fein für den Besuch zu machen. Als sie zurückkamen berichteten sie von
Schwierigkeiten und dass der Zugang schwer zu erringen sei. Man müsse den Schlüssel
haben. Zudem gehe es weit unter die Erde, durch verwinkelte Gänge. Aber dann stehe man in
einer wasserrauschenden Grotte, erfüllt mit allen Düften und Gerüchen des menschlichen
Körpers.
Nachdem er mit dem Herstellen des Frühstücks fertig war,
wusch sich auch Yachtman Michael, der seltsame Fenderwerfer.
Alle warteten gespannt, aber pünktlich zur vereinbarten
Stunde gegen 8:00 Uhr sah man ein Paar tropfnass an der Kaimauer entlang durch den Regen
huschen. Es waren Ann-Katrin, des Skippers Tochter und Michi, ihr Gefährte. Sie enterten
unsere Yawl über die Seite.
Zwei gutgewachsene schlanke Leute, sie blond, er dunkel und
beide ach noch so jung. Sie schritten über Deck und besahen sich das Schiff. Der Skipper
führte sie. Dann ließen sie sich am Steuermannstand nieder und berieten sich flüsternd.
Unterdessen meldete Fender-Michael, das Mahl sei bereit und der Skipper lud nun unsere
Gäste zu Tisch.
Wir versammelten uns um die beladene Tafel und in den Augen
der hungrigen Mannschaft glomm ein Leuchten. Doch kaum begannen einige damit, ihr Ei zu
köpfen, fasste sich der junge Mann an den Kragen und rang nach Luft. Hatte ihm vielleicht
diese raue Sitte Angst eingejagt ? Er stürzte stolpernd über die steile Treppe nach oben
und saß dann da unter dem fahlen Himmel mit bleichem Gesicht. Seine Liebste blickte ihm
nach, und sorgenvoll raffte sie sogleich Speisen in ihre Schürze, um ihm nach zu gehen.
Die Mannschaft unterdessen schüttelte verwundert die Köpfe und ließ sich´s aber
schmecken. Von oben hörte man leises Murmeln und taktvoll überließen wir sie ihren
Händeln. Und währenddessen regnete es und regnete es. |
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Nachdem alle
gestärkt waren, der junge Mann sah noch blass aus, wollte man trotz Regen auslaufen und
die See bezwingen. Aber wir warteten noch, ob die Sintflut nicht doch nachließe. Dann,
erst nach Stunden, lösten wir die Leinen um 11:00 Uhr und Yachtman Erich legte ab. Als
wir das Hafenbecken verließen war die See nass vom Regen. Der junge Mann sah besorgt
drein. Lass ihn das Schiff steuern sagte der Skipper zu Yachtman Michael.
Er soll ein paar Achten fahren. Und so taten wir es. Er fuhr bei verschiedenen
Geschwindigkeiten ein paar Achten links rum und ein paar rechts rum und schon lösten sich
seine Ängste auf und er verkündete froh und schon wieder frech : Ach, das war
jetzt aber irre spannend! Dann übernahm
Yachtman Michael und man setzte die Segel. Der Regen hatte ganz aufgehört und Wind kam
auf. Wir setzten Kurs auf Überlingen und mussten kreuzen bei ca. 9-14 kn Westsüdwest. Es
ging an Birnau vorbei und wir gewannen rasch an Höhe. Doch, ach ! Kurz vor Überlingen
schaltete jemand den Windgenerator aus und schlaff schaukelte das Schiff. Mit dem letzten
Schwung wendeten wir und hingen dann rum.
Würde der Wind wieder kommen ?
Ein anderes Schiff näherte sich uns ohne Motorgeräusch.
Reglos standen Gestalten an Deck. Ein Geisterschiff ! Es überholte uns. Es war
unheimlich.
Das reicht rief unser Skipper gegen 15:00 UIhr.
Michael mach den Motor an.
Und so geschah es.
Dann kamen wir in die flache Bucht von Mainau. Der
Tiefenmesser zeigte 20 m, 10 m, 2 m, 1 m 0,5 m, es war spannend. Schon hörte ich das
Knirschen und sah das Schiff sich legen. Aber es geschah nichts. Wir hatten Glück.
In diesem Glücksgefühl wendeten wir um 16:00 Uhr dem
Heimathafen zu, froh, allen Gefahren und Merkwürdigkeiten entronnen zu sein.
Vor dem Einlaufen um 16:30 Uhr brachten die Yachtmen die
Fender aus. Alle schauten verstohlen zu Fender-Michael. Würde er wieder wild mit Fendern
um sich werfen ? Aber nein ! Was wollt ihr fragte er unwirsch. Die
Fender sind sauber heute. Es braucht keine erneute Fenderspülung. Mit einem
erleichternden Lächeln auf den Lippen legten wir an und machten fest. Der Skipper
spendete eine Runde schäumendes Einlaufbier und alle saßen auf dem Schiff, tranken und
sangen : 15 Mann auf des toten Mannes Kiste, Ho Ohooo, und ne Buddl voll Rrrum
!
Jawoll liebe Leute ! So ist das auf nem Schiff. |
 



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Jetzt hatten wir aber noch eine Überraschung
für unsere lieben Tagesgäste. Liebe
Gäste sagte der Skipper feierlich, nach der fünften toten Mannes Kiste, Wir
laden Euch ein zu einem großen Festmahl in einem edlen Etablissement mit mindestens 15
Gängen. Was sagt Ihr ? Oh, je, sagten unsere Tagesgäste, Lieber
Pappa, sei uns nicht böse, aber wir fahren lieber gleich heim, vielleicht kommt noch was
im Fernsehen.
Und so kams. Die Yachtmen und der Skipper trotteten alleine
zu diesem schönen und edlen Etablissement. Aber sie wurden entschädigt mit einem Mahl,
das seinesgleichen sucht. Es gab alle Fische der See in den erlesensten Zubereitungsarten
des Okzidents und Orients. Es gab das Fleisch von goldenen Fasanen und fetten Rindern, von
behänden Schafen und Lämmern, umgarnt mit exotischsten Gemüsen. Dazu floß güldner
Wein, spritzig und fruchtig, und zum guten Schluss verwöhnten uns französische Tartes,
cremige Schokoladen und Tiramisu.
So gut kann der Fernsehfilm gar nicht gewesen
sein! sagte der Skipper, als alle noch zum Gute-Nacht-Bier unter Deck saßen.
Jou, jou brummte die ganze Mannschaft äußerst zufrieden und ging in die
Kojen.
Gute Nacht Jürgen,
Gute Nacht Klaus,
Gute Nacht Erich !
Gute Nacht Michael ! riefen alle und schnarchten was das
Zeug hielt. |
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