www.uvis-segeln.de CT - III - 03.06.2010   Private Segelfreunde
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Donnerstag, der vierte Segeltag

Am Tag zuvor waren wir durch Wind und Regen von Langenargen nach Unteruhldingen gesegelt und bevor wir anlegten, warf der Yachtman steuerbord achtern kurzerhand den Fender über Bord. Keiner wusste, warum er das tat. Obwohl alle sonst fest ihren Mann stehen, so gibt es doch dunkle Geheimnisse bei einer Mannschaft, in der jeder von weit her kommt und man von keinem weiß, warum er sich in dieses Abenteuer gestürzt hat. Vielleicht hatte Yachtman Markus ja recht, als er am Mittwoch, den 2. Juni angesichts 50 cm hoher Wellen voller Angst floh und uns im Stich ließ, um sich im trauten Heim zu verstecken.

Mitsegler Michael

Mitsegler Michael




Wir erwachten früh nach einer all zu kurzen Nacht. Der Skipper warf uns raus aus der Koje, da sich hoher Besuch für den Tag angemeldet hatte. Die Kapitänstochter und ihr Bräutigam wollten das Leben an Bord kennenlernen. Es galt, klar Schiff zu machen und ein Frühstücksbuffet auf die Beine zu stellen. Ausgerechnet der finstere Fenderwerfer war mit dem Morgenbanket beauftragt. Aber, ein Wunder, er zauberte einen prächtigen kleinen Festschmaus. So sahen es jedenfalls die Mannen unter Deck. Als dann aber der Kronprinz in den Salon hinabstieg, nahm es ihm den Atem, ob den Ausdünstungen einer seit zig Stunden schwitzenden Mannschaft und er floh wieder hinauf, unter den regnerischen Himmel.

Doch ich greife vor. Es regnete seit den frühen Morgenstunden in Strömen. Es wäre gar nicht nötig gewesen, denn wir hatten genug Wasser an Bord. Alle waren etwas nervös und gingen ihren Pflichten nach an diesem grau verhangenen Morgen. Der Skipper und die Yachtmen Klaus und Erich besuchten nacheinander den Wasch- und Feudelraum am anderen Ende des Hafens, um sich fein für den Besuch zu machen. Als sie zurückkamen berichteten sie von Schwierigkeiten und dass der Zugang schwer zu erringen sei. Man müsse den Schlüssel haben. Zudem gehe es weit unter die Erde, durch verwinkelte Gänge. Aber dann stehe man in einer wasserrauschenden Grotte, erfüllt mit allen Düften und Gerüchen des menschlichen Körpers.

Nachdem er mit dem Herstellen des Frühstücks fertig war, wusch sich auch Yachtman Michael, der seltsame Fenderwerfer.

Alle warteten gespannt, aber pünktlich zur vereinbarten Stunde gegen 8:00 Uhr sah man ein Paar tropfnass an der Kaimauer entlang durch den Regen huschen. Es waren Ann-Katrin, des Skippers Tochter und Michi, ihr Gefährte. Sie enterten unsere Yawl über die Seite.

Zwei gutgewachsene schlanke Leute, sie blond, er dunkel und beide ach noch so jung. Sie schritten über Deck und besahen sich das Schiff. Der Skipper führte sie. Dann ließen sie sich am Steuermannstand nieder und berieten sich flüsternd. Unterdessen meldete Fender-Michael, das Mahl sei bereit und der Skipper lud nun unsere Gäste zu Tisch.

Wir versammelten uns um die beladene Tafel und in den Augen der hungrigen Mannschaft glomm ein Leuchten. Doch kaum begannen einige damit, ihr Ei zu köpfen, fasste sich der junge Mann an den Kragen und rang nach Luft. Hatte ihm vielleicht diese raue Sitte Angst eingejagt ? Er stürzte stolpernd über die steile Treppe nach oben und saß dann da unter dem fahlen Himmel mit bleichem Gesicht. Seine Liebste blickte ihm nach, und sorgenvoll raffte sie sogleich Speisen in ihre Schürze, um ihm nach zu gehen. Die Mannschaft unterdessen schüttelte verwundert die Köpfe und ließ sich´s aber schmecken. Von oben hörte man leises Murmeln und taktvoll überließen wir sie ihren Händeln. Und währenddessen regnete es und regnete es.

Breafing

Marina im Untergrund

Morgenstimmung

Michi und Ann-Kathrin

Breafing outside

Michael der Fenderwerfer

Michael am Steuer - Kurs "Geisterschiff"

Jetzt aber. Habe ich einen Hunger

Nachdem alle gestärkt waren, der junge Mann sah noch blass aus, wollte man trotz Regen auslaufen und die See bezwingen. Aber wir warteten noch, ob die Sintflut nicht doch nachließe. Dann, erst nach Stunden, lösten wir die Leinen um 11:00 Uhr und Yachtman Erich legte ab. Als wir das Hafenbecken verließen war die See nass vom Regen. Der junge Mann sah besorgt drein. „ Lass ihn das Schiff steuern“ sagte der Skipper zu Yachtman Michael. „Er soll ein paar Achten fahren“. Und so taten wir es. Er fuhr bei verschiedenen Geschwindigkeiten ein paar Achten links rum und ein paar rechts rum und schon lösten sich seine Ängste auf und er verkündete froh und schon wieder frech : „Ach, das war jetzt aber irre spannend!“

Dann übernahm Yachtman Michael und man setzte die Segel. Der Regen hatte ganz aufgehört und Wind kam auf. Wir setzten Kurs auf Überlingen und mussten kreuzen bei ca. 9-14 kn Westsüdwest. Es ging an Birnau vorbei und wir gewannen rasch an Höhe. Doch, ach ! Kurz vor Überlingen schaltete jemand den Windgenerator aus und schlaff schaukelte das Schiff. Mit dem letzten Schwung wendeten wir und hingen dann rum.

Würde der Wind wieder kommen ?

Ein anderes Schiff näherte sich uns ohne Motorgeräusch. Reglos standen Gestalten an Deck. Ein Geisterschiff ! Es überholte uns. Es war unheimlich.

„Das reicht“ rief unser Skipper gegen 15:00 UIhr. „Michael mach den Motor an.“

Und so geschah es.

Dann kamen wir in die flache Bucht von Mainau. Der Tiefenmesser zeigte 20 m, 10 m, 2 m, 1 m 0,5 m, es war spannend. Schon hörte ich das Knirschen und sah das Schiff sich legen. Aber es geschah nichts. Wir hatten Glück.

In diesem Glücksgefühl wendeten wir um 16:00 Uhr dem Heimathafen zu, froh, allen Gefahren und Merkwürdigkeiten entronnen zu sein.

Vor dem Einlaufen um 16:30 Uhr brachten die Yachtmen die Fender aus. Alle schauten verstohlen zu Fender-Michael. Würde er wieder wild mit Fendern um sich werfen ? Aber nein ! „Was wollt ihr“ fragte er unwirsch. „Die Fender sind sauber heute. Es braucht keine erneute Fenderspülung.“ Mit einem erleichternden Lächeln auf den Lippen legten wir an und machten fest. Der Skipper spendete eine Runde schäumendes Einlaufbier und alle saßen auf dem Schiff, tranken und sangen : „15 Mann auf des toten Mannes Kiste, Ho Ohooo, und ne Buddl voll Rrrum !“

Jawoll liebe Leute ! So ist das auf nem Schiff.




ohne Worte

ohne Worte

ohne Worte

ohne Worte

ohne Worte

Jetzt hatten wir aber noch eine Überraschung für unsere lieben Tagesgäste.

„Liebe Gäste“ sagte der Skipper feierlich, nach der fünften toten Mannes Kiste, „ Wir laden Euch ein zu einem großen Festmahl in einem edlen Etablissement mit mindestens 15 Gängen. Was sagt Ihr ?“ „Oh, je,“ sagten unsere Tagesgäste, „Lieber Pappa, sei uns nicht böse, aber wir fahren lieber gleich heim, vielleicht kommt noch was im Fernsehen.“

Und so kams. Die Yachtmen und der Skipper trotteten alleine zu diesem schönen und edlen Etablissement. Aber sie wurden entschädigt mit einem Mahl, das seinesgleichen sucht. Es gab alle Fische der See in den erlesensten Zubereitungsarten des Okzidents und Orients. Es gab das Fleisch von goldenen Fasanen und fetten Rindern, von behänden Schafen und Lämmern, umgarnt mit exotischsten Gemüsen. Dazu floß güldner Wein, spritzig und fruchtig, und zum guten Schluss verwöhnten uns französische Tartes, cremige Schokoladen und Tiramisu.

„So gut kann der Fernsehfilm gar nicht gewesen sein!“ sagte der Skipper, als alle noch zum Gute-Nacht-Bier unter Deck saßen. „Jou, jou“ brummte die ganze Mannschaft äußerst zufrieden und ging in die Kojen.

Gute Nacht Jürgen,
Gute Nacht Klaus,
Gute Nacht Erich !

Gute Nacht Michael ! riefen alle und schnarchten was das Zeug hielt.

ohne Worte

Was nehmen wir da jetzt?

Aber selbstverständlich

der fünfte oder doch schon der sechste Gang?

Na, dann Prost

 

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