www.uvis-segeln.de CT - III - 19.06.2009   Private Segelfreunde
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Segeln Website  -  Revierinfos und Törnberichte  -  Bodensee  -  Come-together-09-III   -  CT - III - 19.06.2009


Gestern

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Freitag, der fünfte und letzte Segeltag

Das Wetter war wüst. Schon am gestrigen Tag bekamen wir deutlichst die starke Nordwest-Brise zu spüren. Sie bescherte uns einen absolut himmlischen Ritt von Lemmer nach Urk. Am frühen Morgen quer über den Teich von Enkhuizen nach Lemmer. Kurzer Aufenthalt und ein schönes Matjes-Essen am Fisch-Kiosk, ein Bummel über den Markt, dann zu unserem abendlichen Ziel "Urk". Urk war der entfernteste Fleck von der Basis Stavoren aus gesehen. Für Rainer, unseren begeisterten Altsegler, war es die Herausforderung richtig flockig übr die Wellen zu brettern.

Mit halben Wind, teilweise auch raumer ging es abends auf Urk zu. Das Wetter war noch freundlich, wurde von Stunde zu Stunde trüber und schien auch Regen zu bescheren.

Wir kamen spät nach Urk rein, fuhren weder in den alten noch den neuen Hafen sondern gleich an die Westmole und machten längsseits hinter einem der großen Plattbodenschiffen fest. Zwischen dem Holländer und einer anderen Bavaria war noch Platz für ein Boot.  Obwohl der Wind über die Mole backbord gegen uns blies, versuchten wir im spitzen Winkel, so nahe wie möglich an der Bavaria vorbei, uns an die freie Stelle der Kaimauer zu legen. Mit dem Faden ins Nadelöhr vergleichbar. Präzission war erforderlich, - das Manöver klappte wie angedacht. Wir kamen gut heran, aber das Übersteigen an Land, um die Festmacher zu belegen, haute nicht ganz hin.

Es kam auf Sekunden an. Das Boot drohte durch den Wind sich wieder von der Mole zu entfernen. Die Nachbarn der Bavaria erkannten die Situation, sprangen ein und halfen von Landseite die Achter- und gleichzeitig die Bugleine heranzuziehen. Schließlich konnte Rainer doch übersetzen und die Festmacher mit Willi belegen. Das Boot wurde für eine heftige und stürmische Nacht ordentlich festgezurrt und richtig abgefendert. Vorsicht ist immer die Mutter der Porzellankiste, denn man weiß ja nie, was wirklich kommt. Der Vorteil dieses Liegeplatzes, - wir können am frühen Morgen, ohne andere zu stören, schnell ablegen. Aber dies alles wiederzugeben, wäre Aufgabe des Berichteschreibers vom gestern gewesen, Eindrücke und Erlebnisse festzuhalten. Seis drum, - es waren jedoch wichtige Vorbemerkungen zur Stitaution des heutigen Freitags.

letzter Tag am Ijsselmeer

Mitsegler Jürgen




Das morgendliche Wecken war für 5:00 Uhr angesagt. Logbuch und Wetter liegen heute wieder in den Händen von Gerd und Willi, dem eingefahrenen Team aus der Türkei des letzten Jahres. Der Wetterbericht meldet Windstärke 5. Im Seefunk werden Securitie-Meldungen ausgestrahlt mit dem Hinweis: "No warnings for Ijsselsee und Markermeer".

Rainer ist für Speis und Trank zuständig. Wie bereits am Vortag hält sich das Engagement für Mannschaft und Schiffsführung etwas zu kreieren stark in Grenzen. An Bord waren die Übrigen bisher in diesem und auch von anderen Törns her völlig anderes gewohnt. Aber es ist müsig, in einer solch frühen Stunde über den Einbahnstraßencharakter von "Geben" und "Nehmen" in den Borddiensten nachzudenken. Auch ein Skipper wird am letzten Tag  Teambildung und -fähigkeit nicht zum Gegenstand klärender Diskussionen machen. Also zum Frühstücksdienst: Restlichen Packungen werden auf den Tisch gestellt. Auf Tellern angerichtet wird nichts mehr. Es ist ja auch noch ziemlich früh. Obwohl wir noch vor Mitternacht in die Kojen kamen, lies uns der Wind während der Nacht kaum Ruhe. Die Fallen waren gut gesichert und abgefedert. Sie schlugen nicht an Mast und Wanten wie bei anderen Booten. So hatten wir mehr geruht als geschlafen. Und jetzt Viertel nach Fünf, - essen und trinken?

Das Toiletten- und Waschhäuschen war vom Schiff gut erreichbar. Keine langen Wege. Wenn gleich wir den Hafenmeister am gestrigen Abend nicht mehr erreichen konnten, keine Liegemaut anlag und folglich auch kein Zugang zu den Toiletten erhielten, erfuhren wir von unseren hilfreichen Liegenachbarn den Zugangscode zu dem wichtigen Örtchen. Einfach "8-6-4-3" eingetippt und schon schnappte das Schloss auf. Auf dem Weg zur morgendlichen Dusche werden wir vom Wind oberhalb der Kaimauer, die nach Westen die See abschirmte, voll angeblasen. Es schüttelt und fröstelt uns, - der Chillfaktor ist deutlich zu spüren.

Das folgende Frühstück dauert nur Minuten und wird postwendend aufgehoben. Keiner scheint Hunger, geschweige den Appetit zu haben. Wie auch? Letzter Tag, Abreisetag, Rückfahrttag und die größte Entfernung, die während des geplanten Törns überhaupt möglich war. Wir sind uns der Situation bewußt, - stellten sie zwar am Vortag in Lemmer zur Mittagszeit zur Diskussion und entschieden am Plan - trotz des bevorstehenden Wetterwechsels - festzuhalten.

Da haben wir es, - das Problem so vieler Törns. Irgendwann ist man einmal weit ab von der Basis und soll pünktlich zurückkehren. Diesmal noch mit dem ungünstigen Gegenwind. Dennoch, es war eine logische Entscheidung. Die Mannschaft war zwar klein, aber die bisherigen Tage haben aber gezeigt, dass sich jeder einbringen kann und dieses auch getan hat, - wir mit Rainer einen absolut erfahrenen Mitsegler an Bord hatten, der den vierten Tag am Steuer hervorragend - im Wechsel mit Gerd - die Tour absolvierte.

Ich selbst hatte mich zurückgenommen, mich auf das Ein- und Ausfahren in die Häfen, das An- und Ablegen beschränkt und wollte mich auf den letzten Tag, der möglicherweise der härteste Abschnitt war, konzentrieren. Was wir bis dahin nicht wußten, er wurde es auch, - nur nicht so, wie es sich der Skipper vorgestellt und gewünscht hatte.

6:50 - Boot abgelegt. Über das Heck perfekt rückwärts herausgezogen. Der Wind greift von backbord kommend das Vorschiff, versetzt es parallel zur Mole in die Schifffahrtsmitte zum hinteren Teil des Hafens. Der Wind drückt merklich heftig gegen die Breitseite. Die Rückwärtsfahrt erhöhend verholt sich das Boot langsam und zäh nach achtern steuerbord in das Becken den Neuen Hafens hinein. Der Bug dreht nach Nordwesten in den Wind. Steuer neutral, Maschine Kraft voraus und zügig lenke ich das Boot gegen den von Backbord ankommenden Schwell, der von der Hafeneinfahrt drückt. Das Ruder wird nach Backbord eingeschlagen und der Bug auf die Hafenausfahrt ausgerichtet, Wir nehmen Fahrt auf, Motordrehzahl 2.200, Speed 3,5 dann 4,2. Wir schälen uns hinter der Westmole heraus auf die See und erfahren jetzt voll die berüchtigte kurze, harte Welle des Ijsselmeers. Schlag auf Schlag donnert sie gegen den Bug. Wir gegen an. Langsam lernen wir den Rhythmus der Wellen kennen. An den Untiefen und den Markierungen, die nicht so überzeugend zu erkennen sind, orientieren wir uns zunächst gegen Westen, später Nordwesten. Im Moment scheint in unseren Rücken noch die aufgehende Sonne und spendet etwas Wärme. Doch vor uns bilden sich deutlich mehr Wolken und würden binnen weniger Augenblicke diese wieder verdecken. Wir haben uns auf heftiges, windiges und nasses Wetter eingestellt. Jeans, drunter Schlafanzughose, wetterfeste Überzughose, Fleece und ein schwerer Goretex-Annorack mit Kapuze, zusätzlich ein Südwester. Alles darf sein, aber nur keine frierende kleine Crew an Bord.

7:10 - Tonne "UK20" passiert. Nachdem ich das Boot aus der Hafeneinfahrt herausgebracht habe, übergebe ich Willi das Steuer. Wir sind uns einig, bei diesem heftigen Wind, dem Kurs voll gegen dei Welle und dem Zeitdruck, die Segel vorerst zu lassen wie sie sind. In Richtung Steuerbord, wo wir gestern von Lemmer her gekommen waren, haben viele Baggerschiffe ihre Arbeit aufgenommen. Sie scheinen eine neue Fahrrinne auszubaggern oder zu vertiefen. Quintessenz: Jede Menge Boje waren zusätzlich zur Fahrstraßenbetonnung zu sehen, die folglich in keiner Karte eingezeichnet, erheblich zu Verwirrungen führen. Bereits am Vorabend auf dem Weg nach Urk hatten wir unsere Schwierigkeiten. Heute Morgen, das Ganze noch einmal aus einer anderen Perspektive. So haben wir uns steuerbordseits von diesen Arbeiten fernzuhalten. Vor uns liegen die Richtungstonnen und backbordseitig tauchen immer mehr Markierungen zu den Untiefen vor dem Makarmeerdamm auf.

Unsere momentane Situation: Wenige 100 Meter backbords und wenige 100 Meter steuerbords immer wieder Untiefen. Letztlich ist das gesammte Ijsselmeer ja nicht gerade ein Tiefwasser. Wir mit dem Boot dazwischen und die harte, kurze Welle von vorne. Es verbleibt wenig Spielraum für einen idealen und angenehmen Kurs durchs Wasser. Wir lernen schnell mit den Wetter- und Wellenunbilden umzugehen. Nach einer Weile kommt Ruhe ins Boot. Durch die Sonne wird es etwas wärmer. Willi kommt mit der Welle gut zurecht, wenn gleich es ihm immer wieder schwerfällt, des Rauchers Süchte mit der Aufmerksamkeit des Steuers und einer guten Voraussicht in Einklang zu bringen.

Nach einem letzten Rundumblick gehe ich unter Deck. Ich weiß, Willi hat alles gut im Griff und liegt mit dem Boot gut auf Kompasskurs. Ich schaue nach dem Logbuch. Die Eintragungen in den Tagen zuvor wurden nicht so wahrgenommen, wie es sich eine Schiffsführung gerne vorstellt. Ich höre in das Funkgerät hinein und verschaffe mir einen Überblick über die noch vorhandenen Lebensmittel. Ich gewinne den Eindruck, dass von unserem Küchendienst heute wohl kaum eine Dareichung an die Crew erfolgen würde. Zu sehr war Rainer in den Tagen mit seinem Hand-GPS befasst. Nun, diesen Teamgeist müssen eben alle aushalten. Dulden oder dagegen aufbegehren? Ich denke, die Gruppendynamik regelt so etwas selbst. Leider wohl icht mehr am letzten Tag. Mit dem Blick Richtung Markermeer werden jetzt die ersten Bojen von Fischernetzen wahrgenommen. Da ohnehin die Flachwasserzone mit den Netzen parallel zum Damm in Lee liegt, stört sie nicht.

8:00 - 9:00 - Auf der Steuerbordseite nehmen wir ein Fischerboot wahr, das querab auf uns mit großer Bugwelle zukommt. Eigentlich müssste er nicht so hart gegen die Welle anfahren. Ich finde es abstrakt und werde misstrauig. Ich habe zwischenzeitlich im Lee unter der Sprayhood auf der Steuerbordseite meinen Platz wieder eingenommen und blicke abwechselnd auf den Fischer und rückwärts auf den Steuerstand zu Willi. Das Boot schägt immer wieder auf. Gischt fegt mit jedem Eintauchen über die Sprayhood.   Willi überzeugt wieder mit seinem glücklichen Händchen, sich immer wieder einen Glimmstengel zwischen die Kiemen zu drücken. Meine Unruhe drängt mich einmal aufzustehenund einen Rundumblick über die Sprayhood und das Vorschiff zu versuchen.

"Willi, - Hart backbord und Gas" schrie ich augenblicklich. Genau vor uns, keine zwei Bootslängen voraus, laufen wir im Moment voll auf eine Fischnetzreihe zu. Mit Sicherheit hätten wir diese überfahren. Welch ein Gedanke??? !!!, - Bei diesem Wetter mit der Schraube im Fischnetz zu verhaken und manövrierunfähig auf die Untiefe vor dem Markermeer zu treiben. Der Wind stand genau in diese Richtung und die klassische Legerwallsituation wäre perfekt. In einem solch brisanten Augenblick ist es zudem wichtig Back- und Steuerbord nicht zu verwechseln. Gerd sitzt neben ihm, fest und wetterfest vermummelt, greift ein und unterstützt Willi, das Ruder in die backbordseitige Lage herumzureißen. Rainer sitzt im Lee der Sprayhood auf der Backbordseite und nestelt an seinem Hand-GPS über Wegepunkte nach der Ankunftszeit. Wir hätten sie greifen können, - die Fischerboje, so nahe sind wir an sie heran gekommen, als sie wenige Meter neben unserem Steuerbord allmählich achteraus driftet. Ca. 300 Meter fahren wir jetzt nach Süden, weg von unserer ursprünglichen Route direkt auf die Untiefen vor dem Markermeerdamm. Wir weichen damit einem riesigen Fischnetzfeld aus. Zwar sind die Richtungstonnen und  Hafeneinfahrtsmarkierungen schon etwas größer als Fischernetzbojen, aber auch die kleinen Bojen machen irgendwo einen Sinn. Dieses mistige Wetter scheint die holländischen Fischer nicht davon abzuhalten, aus dem ganzen südlichen Ijsselmeer eine einzige Fischfangzone zu machen. Bis fast auf Höhe der Schifffahrtslinie Enkhuizen - Lemmer machen wir eine Fischnetzzone nach der anderen aus, - mal steuerbord, mal backbord, dann wieder voraus. Obwohl wir den Kurs am Kompass orientiert, entlang der Richtungstonnen halten, liegen ständig Fischerbojen im Weg. Ich ermahne zu höherer Wachsamkeit, denn tatsächlich tauchen immer mehr Fischnetzbojen auf.

Anfahrt Lemmer

 

 

Lemmer Hafen

 

 

Lemmer

 

 

Willi im Schutz der Sprayhood

 

 

Der noch funktionstüchtige Stander

 

 

Rainer auf Kurs

 

 

Ankunft Urk Westmole

 

 

Der Holländer vor uns

 

 

Die Mole

 

 

Hafenlieger im alten und neuen Hafen

 

 

Willi relaxed

 

 

Die Berufsschifffahrt

9:35 - Die Tonne "Ez-B" und damit Schifffahrtslinie "Enkhuizen - Lemmer" gekreuzt. Wir liegen gut in der Zeit. Abgabetermin ist 12:00. Zuvor wäre noch zu tanken, dann das Schiff auspacken etc. Die voraussichtliche Ankunftszeit wird von Rainer mit 11:00 Uhr berechnet. Alles im Plan, trotz des windigen Wetters. Mit Ausnahme der Fischer sind kaum Boote unterwegs. Alle scheinen sie wohl in den Häfen zu bleiben, wir zählen bisher gerade mal so viele, wie Finger an einer Hand.

10:00 - Kurz vor Tonne "Ez-A" nehmen wir eine Abkürzung und versetzen uns in Richtung Fahrwasser "Enkhuizen - Makkum". Das bedeutet aber auch, dass jetzt auf dieser Linie die Schiffe von Amsterdam bzw. auch jene von Lelystad auf unserem Kurs liegen. Durch den Kurswechsel kommt der Wind jetzt leicht von backbord versetzt uns entgegen. Windstärke und Seegang liegen bei 5 und in Böen deutlich darüber.

10:30 - Das letzte Tonnenpaar "LC1" und "LC2" wird passiert und ein endgültiger Kurswechsel Richtung "Stavoren" vollzogen. Der Verkehr der Berufsschifffahrt nimmt zu. Hin und wieder sehen wir zwar Segler, haben aber dennoch das Gefühl, die einzigen draußen zu sein. Per Handy melde ich mich bei der Basis. Ich teile mit, dass wir und Schiff wohl auf seien, noch Treibstoff aufnehmen und voraussichtlich eine halbe Stunde vor 12:00 Uhr eintreffen werden. Meine zusätzliche Frage, ob irgendetwas anliege, etwas zu beachten sei, wurde mit "Nein, es sei alles in Ordnung" beantwortet. Es sei schön, dass wir schon früher kommen.

Dem Wetterbericht zufolge soll der Wind noch mehr zu legen. Wir sind dann doch froh, auf das Segelsetzen verzichtet zu haben und unter Motor pünktlich und wohlbehalten anzukommen. Keiner hat gekotzt. Alle wohl auf und gesund, wenn gleich etwas bleich. Zum Segeln bin ich also nicht mehr gekommen und muss mich schon fragen, warum ich eigentlich hier bin. Nur um das Boot aus- und in den Hafen zu bringen und das Seglerische anderen zu überlassen? Nun, ich denke, es kommt so wie es kommt. Diesmal war es eben so.

11:00 - Die letzte Meile vor der Hafeneinfahrt. Jetzt heißt es wieder aufgepasst. Untiefen zu beiden Seiten. Die Sonne kommt etwas heraus und bescheint die ganze dunkele Seite des Blickfeldes. Es war ein Dunkel vermischt mit leichtem Gold der Sonnenstrahlen. Zudem bricht das Wasser die Strahlen. Die Gischt und Wellenkämme leuchten in einem sanften Licht. Und tatsächlich, unmittelbar vor der Hafeneinfahrt, brechen doch noch einige mutige Segler aus dem Hafenbecken hervor und kämpfen in der Ausfahrt schwer gegen die Wellen an. Sturmfock und Minimalbesegelung. Schwer und zugleich rücksichtslos fahren sie in der engen Einfahrt hin und her. Mit Mühe weichen wir unter Motor aus und versuchen uns mit genügend Fahrt von den Untiefen fernzuhalten. Bei einem Segler haben wir den Eindruck, dass er durch das Flachwasser abkürzen wolle um schnellstmöglich herauszukommen. Wenn das nur gut geht! Denn dort lauern nach Karte Untiefen. Ähnliches hatten wir bereits am ersten Tag vor Makkum erlebt. Entweder sind es Revierkundige oder andere, die das va-banque-Spielchen mit dem Risiko lieben. Ich hatte die mahnenden Worte des Basisleiteres sehr wohl im Ohr, - "Hütet euch vor den Untiefen, - es erwischt fast jede Wochen einen, der es probiert". Auch wenn es lächerlich aussehen mag, ich halte mich daran und schaue, dass wir entsprechend der Karte und dem Hafenhandbuch den Weg nehmen, der gut und rein scheint.

Wir erkennen die Hafeneinfahrt. Sie wirkt eng. Der Schwell ist heftig und man kann es sich nur zu gut vorstellen, wie schnell ein Schiff angehoben und auf Klippen, Steine oder sonstige Untiefen aufgesetzt werden kann. Wir schrauben uns unter Motor zügig in den Hafen hinein. Das Wasser wird ruhiger. Die Markierungen und Begrenzungen des Fahrwassers sind einwandfrei zu erkennen. Gleich hinter der Einfahrt geht es backbord querab zu den Versorgungseinrichtungen. Ich will längsseits an Backbord anlegen.

Da der Wind, wie am Vorabend, von der gleichen Seite kommt, ist die Situation und das Manöver allen bekannt. Beim Einfahren stellen wir fest, dass bereits ein Boot vor uns liegt und uns dieses Idealmanöver verleiten möchte. Die Mannschaft scheint fertig zu sein, ist aber noch beschäftigt sich zu organisieren um rückwärts herauszufahren. So wie wir jetzt ankommen, würden wir sie oder sie uns das Anlegemanöver blockieren. Ein Aufstoppen scheint mir nicht geschickt, da hinter uns weitere Schiffe hereinkommen, denen es wohl draußen auch zu heftig ist oder auch an die Versorgungseinrichtungen wollen. Wir haben noch genug Fahrt und disponieren kurzfristig um. Die Fahrt nutzend bewege ich mich rechts am Hafenbecken entlang der steuerbord liegenden Schiffe, um weiter hinten im Halbkreis über Backbord auf der Steuerbordseite festzumachen. So haben wir zudem den Bug seitlich gegen den Wind, was zum späteren Ablegen auch nicht schlecht scheint. So der Plan.

Wir nutzen die Fahrt, überlassen dem Ablegenden den Platz achterlicherseits zum Ausscheren und fahren steuerbords tiefer in das Hafenbecken ein. Als ich gerade das Ruder nach Backbord eingeschlagen habe um den Halbkreis auszufahren, trifft eine Böe mitten in dieses Manöver und lässt dieses augenblicklich zusammenbrechen. Fast manövrierunfahig treiben wir quer nach hinten auf die Untiefe am Ende des Hafenbeckens zu. Wie ein Pfropfen im Flaschenhals verhalten wir einen Moment. Mir wird klar, - das Manöver kann nicht zu Ende gefahren werden. Vorwärts geht nicht, da ist die Pier der Tankstelle und Krans bzw. unser Bug in Gefahr. Nichtstun bringt auch nichts. Der Wind würde uns Sekunde um Sekunde seitlicher zum Ende des Hafenbeckens auf die Steine treiben. Letzte Lösung, - rückwärts mit eingeschlagenen Ruder zur Einfahrt zurück, so wir reingekommen waren.

Es schien Ewigkeiten zu dauern, bis das Boot wieder auf Fahrt aufnimmt und gegen das andauernde Abdriften eine Bewegung zu erkennen ist. Mit dieser Lösung fahren wir zwar wieder rückwärts, kommen aber, das die Böe von backbord auf unsere Breitseite drückt wesentlich weiter auf die mit Bug und Heck, in den Boxen liegenden Booten zu. Alles verläuft im Zeitlupentempo. Die Crewmitglieder schätzen, ohne einen besonderen Zuruf, die Lage richtig ein und stellen sich auf die näherkommenden Dalben der Boxen ein. Solange die die darin liegenden Boote kürzer waren als die Boxengassen lang, ist das sicherlich kein Problem. Den Raum zwischen Bordwand samt Reeling und den entsprechenden Dalben können wir gut abfendern.

Die Rechung geht auf, - fast. Durch das Manöver und beherzte Rückwärtsziehen gerät das Ende des Standers der Nationalen an einen Dalben und bricht, weil hölzern und über das Boot hinausragend, ab. Im vorlicheren Bereich mitschiffs an Steuerbord verhakt sich für einen Moment die Windselbststeueranlage eines mit dem Heck aus der Box herausragenden Bootes mit unserer Reeling. Wir federn sofort ab. Im übrigen unterstützen uns die Dalben und Fender. Die Windsteueranlage stört nicht weiter, wir kommen augenblicklich frei und das kurzzeitige Verhaken sollte kein Problem werden. Der Stander allerdings war futsch. Wir schließen die Fahrt rückwärts ab, wiederholen das Anlegemanöver auf die ursprünglich angedachte Art und legen an der Versorgungsanlage backbordseitig an. Das Boot wird festgemacht. Der Hafenmeister kommt und kümmert sich um das Betanken unseres Boots. Zum Schluss sollte ich aber noch zum Hafenmeisterbüro hinaufgehen. Oben angekommen bezahle ich die 23,-- Euro Treibstoff und bekomme von einem Kollegen erklärt, dass der Einlaufvorgang beobachtet worden und es wohl zu einer Havarie mit dem Boot mit Windselbststeuereinheit gekommen sei. Ich mache ihm klar, dass wir unser Boot bereits gecheckt haben und keinerlei Schäden finden konnten, auch dass es zu keiner konkreten Havarie gekommen sei, sondern zu einer persönlich abgefederten Berührung ohne Folgen.

Okay, seis drum, - er müsse die Personalien aufnehmen und ich solle eine Manöver- und Schadensbeschreibung anfertigen. Die Versicherungs-, Boots- und Personaldaten werden von mir notiert. Er (der Hafenmeister) würde sich mit dem betroffenen Eigner des Bootes in Verbindung setzen. Falls keine Beschädigungen gemeldet werden, würden wir auch nichts mehr  hören. An dieser Stelle gleich vorweg: Die Gegebenheit wurde der Versicherung gemeldet. Wir bekamen weder vom Eigner, noch vom Hafenmeister, vom Versicherer und auch nicht vom Vercharterer irgendwelche weiteren Hinweise, Fragen oder Informationen zu irgendwelchen Schäden. Folglich haben sich unsere vor Ort getroffenen Einschätzungen bestätigt. Es gab keine Havarie mit Schaden, wenn man von dem eigenen abgebrochenen Holzstander absieht.

Inzwischen kommen noch mehr Boote zur Tankstation. Beim Ablegen beobachten wir auch andere Boote, deren Besatzungen sichtlich ähnliche Probleme haben, hier zu manövrieren. Von zwei anderen Booten bekommen wir Rückkopplungen, dass sie die Schnauze voll haben, das Boot am Steg festmachen, nicht tanken und auch nicht in ihre Box einlaufen wollen. Das wundert mich dann doch sehr, aber Respekt, jeder wie er es eben mag und einschätzt. Die See ist zwar heftig, der Wind mit den Böjen tückisch, aber in den letzten Tagen haben wir so viele Situationen erlebt, dass wir diese hier auch mit der gewohnten Routine meistern können. Vielleicht liegt es auch an der fehlenden Versorgung unseres Küchendienstes, kein Trinken, keine Snacks und ein vergessenes Frühstück. Mängel, welche die Aufmerksamkeit einschränken.




Gegenverkehr in den Fahrstraßen

 

 

Wo habe ich nur meine Zigaretten liegen lassen

 

 

Enge Boxen

 

 

Ursprünglicher Zustand

Noch 100 bis 200 Meter bis zu unserer Box. Wir verlassen den Versorgungsbereich und fahren tiefer in den Hafen hinein zu unserer Boxengasse hinüber. Wir finden sie und erkennen auch gleich unseren Liegeplatz. Rechts und links davon liegen die anderen Boote. Keines ist ausgelaufen. Das ist gut, den sie bieten uns beim Einfahren guten Schutz vor Wind und Welle.

Nun, die Box ist eng, Fender müssen hochgenommen bleiben und der Wind kommt von seitlich hinten über steuerbord. Aber kaum Schwell, kaum Welle, das Hafenwasser relativ ruhig. Mit zu langsamer Fahrt wird das nichts, - das haben wir eben beim Tanken gesehen. Da hier kein Halbkreis sondern mit gutem Vorhalt gerade einmal ein spitzer Winkel gefahren werden muss, sollte es gut funktionieren. Die Aufgaben werden wie üblich verteilt. Im Bugbereich steht Rainer. Dessen Aufgabe wird beim Einfahren in die Box, das Überspringen an Land sein und die Befestigung der Bugleinen. Willi zu meiner Seite im Backbordbereich wird den achterlichen Festmacher übernehmen und diesen über den Dalben ziehen. Gerd an Steuerbord achtern übernimmt die gleichen Aufgabe für seine Seite.

Alle diese Aufgaben waren aus den Vortagen bekannt. Heute kommt nur eine höhere Geschwindigkeit hinzu um die Richtung und den Kurs in die Box zu halten und kurz vor Schluss aufzustoppen. Im Schutz der anderen Boote würden wir beim Einfahren die Achterleinen über die Dalben ziehen und nach deren Passieren mit der Schiffsbreitseite, so vom Basispersonal gewünscht, die Fender ausbringen. Das sollte wohl kein Problem darstellen. Präzise hineinfahren und rechtzeitig aufstoppen, festmachen und fertig, - so die Theorie.

Die Praxis entwickelt sich aber anders. Beherzt nehme ich Kurs. Alle Mann haben ihre Positionen eingenommen. Der Bug schiebt sich durch die Dalben. Da spüre ich plötzlich von steuerbord achtern eine Böe auf das Schiff treffen und uns hinten herumzudrücken. Ich erhöhe sofort kurzzeitig die Fahrt, drücke tiefer in die Box, denn es ging jetzt darum, noch vor der vollen Böe die Mitschiffsbreitseite an den Dalben vorbeizuschieben. Auch wenn für Willi jetzt eine stärkere Herausforderung ansteht, muss dieses Manöver gefahren werden. Augenblicklich merke ich, dass die Wucht der Boe uns im Bruchteil einer Sekunde schneller erreicht und ich das Manöver wohl nicht so abschließen kann. Der Backborddalben liegt noch vor der Mitschiffsbreite, zwar nur einen Meter, - aber dieser reicht, um eine Hebelwirkung auszuführen, den Bug nach Steuerbord zu versetzen und das Boot backordseitg vor dem Dalben nach hinten abrollen lassen wollen. Jetzt gibt es nur eine Lösung. Ich muss schnellstens mindestens einen Meter voraus, tiefer in die Box hinein um die sich verstärkende Hebelwirkung aufzuheben. Rainer war gefordert, die geänderte Situation zu erkennen und richtig zu handeln, was ich von einem Segler mit Erfahrung auch einfach erwarten konnte. Auf der Steuerbordseite versucht er sich mit dem Bug und Anker vom Nachbarschiff freizuhalten. Gleichzeitig wird Gerd hoffentlich versuchen den Festmacher über den Dalben zu werfen und heranzuziehen. Willi kann nichts weiter tun, als versuchen den Backborddalben so gut es eben geht vom Boot wegzudrücken, während ich unter Annahme, dass alle drei Mitsegler richtig funktionieren mit mehr Gas, den fehlenden Meter mit einem letzten Schubbser wettmache, um in die Box entdgültig hineinzugelangen.

Nun Gerd verpasst mit dem Festmacher den Dalben. Er kann ihn im erforderlichen Moment nicht überlegen. Demzufolge zieht er uns nicht mit der achterlichen Steuerbordseite zum Dalben hin und kann Backbord nicht entlasten. Willi bekommt jetzt die volle Wucht des Windes auf den Dalben zu spüren. Das kann kaum einer aushalten. Durch die Hebelwirkung und die fehlende Entlastung geht der Bug stärker zum Nachbarboot hinüber als gewünscht. Rainer versucht Schlimmeres zu vermeiden und es scheint auch zu gelingen, denn die Besatzung des betroffenen Nachbarboots greift gleichfalls ein und drückt unsere Reeling von ihrem Boot weg. Auch hinten steuerbord achtern bemühen sich diese durch Zuwerfen eines Festmachers, Gerd erneut Gelegenheit zu geben das Ende am Klampen zu befestigen und das Heck unseres Bootes zu ihnen hinüberzuziehen. Nur so kann Willi am Dalben  entlastet werden. Alles dauert nur Augenblicke, doch uns kommt es wie Ewigkeiten vor, bis wir endlich in der Box liegen, die Festmacher an Land befestigt und die Achterleinen entsprechend vertäut sind. Erst "jetzt" werden die noch fehlenden Fender ausgebracht. So waren wir währndes des Einlaufens in die Box lediglich auf die vorhandenen Fender der Nachbarboote gestützt.

Quintessenz: Wir haben es geschafft. Bei den heftigen Wetterunbilden haben wir uns alle tapfer geschlagen. Die Mithilfe der Nachbarcrew war hervorragend. Und der zwischenzeitlich hinzugekommene Basisvertreter, beteiligte sich mit den abschließenden Handgriffen am Festmachen. Allerdings bemerke ich recht schnell ein Gemurmel, abschätzende Blicke und ein Lächeln zwischen Basisvertreter und dem Skipper des Nachbarbootes, der sich recht bald als Eigner entpuppte. Auf einmal wurde von einem enormen Problem und ziemlichen Schäden gesprochen. Ich glaube, ich höre wohl nicht recht und gewinne spontan den Eindruck, dass auf einmal gar nicht mehr so das wohlbehaltene Ankommen der  Chartercrew im Mittelpunkt steht, sondern unser Überraschungsmoment benutzt wurde, eine unnötige Dramatik zu entfachen. Ja Hilfe, was denn da für ein Schaden entstanden sein sollte, am Nachbar- und dem eigenen Boot! Ich schaue mich um. Gewiss, sicherlich ist da etwas gewesen, was so nicht sein sollte, - aber diese Dramatik kann ich nicht nachvollziehen. Statt der erwarteten Fürsorge des Vercharterers um das Wohlergehen seiner Kunden sich zu kümmern und bei der Schadensaufnahme und -regulierung mit Sachverstand und Erfahrung behilflich zu sein, erhalten wir nur abschätzende Blicke, parallel mit einem vom Thema abschweifenden Blick hinaus aufs Meer und wieder jenem Grinsen. Dort war gerade zu erkennen, wie ein Seenotrettungskreuzer oder Bergeschiff mit Blinklicht aus dem Hafen herausfuhr. Es scheint so, als hätte mindestens ein, wahrscheinlich aber auch mehrere Segler auf der Untiefe aufgesetzt und drohen zu kippen. Es scheint das hier übliche Spektakel zu sein, dass den Anwesenden Schadenfreude oder Hemme ins Gesicht treibt, mal wieder Dumme erwischt zu haben. Genauso komme ich mir auch gerade vor, denn unser Boot durch die Vorgängercrew in der letzten Woche draußen ebenfalls aufgesessen. Kurze Zeit später werden wir aufgefordert (routinemäßig) einen Schadensbericht zu erstellen und nach dem Entladen und Auschecken die Restformalitäten im Charterbüro zu erledigen. Wenn ich diese Erkenntnisse heute mit den Eindrücken des ersten Tages zusammenbringe, glaube ich, dass es hier um ein Schadensboot geht, das prädestinert für Schäden ist, im Laufe des Jahres wohl einiges, immer schön notiert, ansammeln soll, um dann beim Wintereinlagern einer grundsätzlichen Überholung unterzogen zu werden. Wie viele einzelne Crews über das Jahr gesehen für (vermeintliche oder auch wahre) Schäden zur Versicherung oder Kaution gebeten werden, wird wohl für die jeweiligen Charterer ein Rätsel bleiben. Stutzig werde ich auch durch Versprecher in den Gesprächen der umherstehenden Leuten, dass das Nachbarboot, der Eigner sein Boot momentan gerade selbst nutzt, dieses dem gleichen Vercharterer zur Verfügung stehe und derartige Vorfälle Routine seien.

Routine mag es für die hier Beteiligten sicherlich sein, für die bisher schadensfreien Charterer in Unkenntnis solcher Unannehmlichkeiten hingegen ein Ärgernis. Es entsteht einfach das Gefühl, in einer solchen Situation be- oder ausgenutzt zu werden. Seis drum. Das Boot liegt fest. Die Schäden werden von mir fotografiert, um sie gegebenenfalls bei eine späteren Schadensregulierung dokumentieren zu können. Denn eines will mir selbst bis heute nicht in den Sinn, dass dieses rein materielle Ereignis so aufgebauscht werden muss. Für mich ist selbstverständlich, wennt ein Schaden eintritt, wird dieser reguliert. Aber Scheingefechte, - nein danke.

Wir laden das Boot noch aus und führen des Auscheck durch. Jetzt wurde alles noch einmal genauestens unter die Lupe genommen. Es wurde nichts weiter gefunden, denn außer den Bagatellen und dem gebrochenen Schiffsstander, - das ist Holz für 20 - 30 Euro, gab es nichts zu beanstanden. Das abschließende Gespräch führen wir mit dem Vertreter des Basisleiter, das dieser  noch im Urlaub war. Er behält die Kaution ein und meint, dass der Chef nach seiner Rückkehr sich noch mit uns in Verbindung setzen werde. Falls die Versicherung bezahle, was wegen der Wetterverhältnisse noch nicht ganz klar sei und der Schaden sich im Rahmen bewege, wir wohl einen Teil der Kaution zurückerhalten werden.

Das könne dann sein, wenn sich die Schäden am eigenen Boot im Rahmen halten. Nur die Schäden am Nachbarboot seien ein Problem. Aber nachdem - so Originalton -, das andere Boote auch unter dem gleichen Vercharterer laufe, könnten sich auch andere Ausgleichsmöglichkeiten ergeben. Für mich waren diese Ausführungen in diesem Moment böhmische Dörfer. Für mich entwickelte sich das Gefühl vom Vercharterer in der entandenen Stituation im Stich gelassen worden zu sein. Mir waren aus Gesprächen mit anderen Seglern einfach andere Verhaltensweisen bekannt, bei denen sich der   Vercharterer stets auf die Seite seiner Charterkunden legte und durch Charme und Service aufkommende Probleme, soweit sie nicht grobfahrlässig entstanden, umsichtig löste. Okay seis drum. Die Ersteindrücke vom Check-In gewannen mit diesem Abschluss eine unerwartete Bestätigung.

Ich habe mit der Abfassung dieses Berichtes bis heute gewartet, um in der schwebenden Situation der Ereignisse keine Beinflussung auszuüben. Nach dem ein Jahreswechsel vollzogen ist, ich von keiner Seite her eine Reaktion bekam, keine Versicherung sich gemeldet hat, es nirgendwo einen Geschädigten zu geben scheint, der sich umgehend hätte melden müssen, gehe ich davon aus, dass mit dem Verlust der Kaution diese Angelegenheit abgeschlossen ist. Ich hatte meine Armbanduhr an Bord liegen lassen, dachte vielleicht, dass dies seitens des Vercharterers bemerkt werden würde. Doch von diesem bekam in zu keiner Zeit irgend eine Nachricht. Ich hatte in den Wochen nach der Charter e:Mails und Anfragen zur Schadensabwicklung und -regulierung geschrieben, hatte angerufen und da nicht anwesend sowohl auf Anrufbeantworter als auch beim Personal um Rückruf gebeten. Es geschah defintiv nichts mehr. Irgendwann verlor ich einfach die Lust.

Das Ijsselmeer bescherte mir einerseits interessante Begegnung mit Menschen, Städten und Einrichtungen, andererseits gewann ich neue Erkenntnisse über das Chartern und das Segeln mit kleiner Männercrew, die ich allerdings so nicht wieder erleben möchte. Die Kaution wurde einbehalten, kein Hallo, kein Danke, kein Nichts. Die Frage bleibt offen, ist das normal?

Gegen 14:00 war das Gepäck in unseren Autos und wir verabschiedeten uns. Das Wetter wurde wieder sonniger, insgesamt blieb es aber frisch. Die vierköpfige Männercrew hatte 116 sm, davon 72 sm unter Segeln, zurückgelegt und jeden Abend einen neuen Hafen, nette Lokale, Menschen und Eindrücke kennengelernt. Mögen diese positiven Elemente in unserem Gedächtnis erhalten bleiben.

 

 

Leiste Nachbarboot

 

 

Leiste Nachbarboot vergrößert ca. 10 - 12 cm

 

 

Schramme Nachbarboot neben dem Fenster ca. 40 cm

 

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