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Dienstag, der zweite Segeltag
Ein leises, jedoch nicht zu verdrängendes Poltern
reißt mich unsanft aus meinen Träumen in die harte Realität und mir wird nach Sekunden
der Orientierungslosigkeit klar, wo ich mich befinde.Am
Tag zuvor hatte unser Skipper Jürgen noch die glorreiche Idee, uns gegen 6:30 Uhr durch
einen laut seiner Aussage unbedingt notwendigen - Motortest zu wecken, was zu
wahren Begeisterungsstürmen in den Kojen führte. Doch auch ein Herumlaufen im Salon und
dem Niedergang und sei es noch so leise führt unweigerlich zum Erwachen der
gesamten Mannschaft.
Und die Art und Weise des Weckens täuscht leider nicht
darüber hinweg, dass die Uhr erst vor kurzem die sechste Stunde durchlaufen hat. Aber
schließlich sind wir ja zum Segeln auf dem Bodensee und nicht zum schlafen.
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 Mitsegler
Micha |
| Neben mir versucht Stephi
hartnäckig ihren Schlaf zu verteidigen. Spätestens nach meinem Aufstehprozedere in der
engen Koje musste sie jedoch einsehen, dass es zwecklos ist. Ihrem Grummeln zu entnehmen
keine einfache Entscheidung. Das zweite Grummeln lässt darauf schließen, dass ihr
eingefallen ist wer heute Morgen fürs Brötchenholen verantwortlich ist :) Während meinen verschlafenen Bemühungen in die Klamotten zu
steigen, fällt mir ein, dass Inge und ich ja heute Logbuch führen und die Bordkasse
übernehmen müssen.
Pflichtbewusst erfülle ich vor den morgendlichen
körpereigenen Putzritualen die ersten Überprüfungen des Bootes.
Batteriespannung prüfen, Wassertankanzeige,
Schmutzwassertank
..???!!!
und siehe da, der Schmutzwassertank ist schon voll,
und das am zweiten Tag? Na ja, wenn das nicht ein Eintrag im Logbuch wert ist! Angeblich
ist die Anzeige nicht in Ordnung, aber wir beschließen dann doch später Wallhausen
anzulaufen und den Tank leer zu schnuddeln. Lieber auf Nummer Sicher gehen!
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Stephi ist schon auf dem Weg zum
Bäcker als ich mit meinem Toilettenbeutel den Weg Richtung Marina ansteuere. Nach dem
ersten Kontakt mit Wasser gehts mir dann auch schon entschieden besser und ich freue
mich auf unseren zweiten Tag auf dem See. Nach dem gestrigen Manövertag unter
Motor bin ich richtig heiß aufs Segeln. Zurück an
Bord erwartet uns ein feudales Frühstück im Salon welches keine Wünsche offen lässt.
Leider muss ich mich noch zügeln, bis Jürgen mit unserem ersten Tagesgast Uwe
zurückkommt. Um 7:30 Uhr kommen die beiden aus Richtung Parkplatz zum Boot und nach
gegenseitigem Bekannt machen kann es endlich losgehen mit frühstücken.
Nach einem gemütlichen Frühstück widmet sich jeder
seinen zugeteilten Aufgaben. Ich darf mit Uwe zusammen eine Sicherheitseinweisung machen
und außerdem noch ein wenig mit meinem theoretisch angeeigneten Fachchinesisch glänzen
und das Boot erklären. Nachdem alles klar zum Auslaufen ist, gehts auch schon
wieder los. Heute versuchen wir auf direktem Weg aus unserer zugegebenermaßen
schlechten - Parkposition herauszukommen. Ein bisschen weniger holprig als gestern, aber
unser Skipper hat alles im Griff und ich bin überzeugt am Freitag sind wir das perfekte
Aus- und Einparkteam.
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Dann gehts ab. Bei bedecktem Himmel und
kühlen 12° setzen wir die Segel und steuern Richtung Wallhausen. Aufgrund der guten
Windverhältnisse haben wir gegen halb elf unsern ersten
Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Ganze 6,6 Knoten! Jetzt hat alle die Lust
auf mehr gepackt, die 7 Knoten werden angepeilt. Bevor
es so weit ist, müssen wir aber den Schnuddel-
zwischenstopp in Wallhausen einlegen. Bei der Gelegenheit wird auch gleich der
Frischwassertank aufgefüllt und da es 12:00 Uhr ist und die Temperaturen inzwischen
sonnige 16° erreicht haben, werden nach getaner Arbeit die von Marina und Dirk
vorbereiteten Schnittchen verdrückt, um sich für die vor uns liegenden Strapazen zu
rüsten.
Weiter gehts! Gegen 14:30 Uhr passieren wir die Insel
Mainau und zwischen der Fährlinie Kostanz Meersburg hindurch gehts Richtung
Obersee. Eine halbe Stunde später entscheiden wir uns zur Umkehr, damit wir rechtzeitig
wieder im Heimathafen in Sipplingen ankommen.
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| Der Wind frischt
jetzt stark auf und der Eintrag im Logbuch verrät, dass um 15:45 Uhr die 7 Knoten
geknackt wurden. Bei starken Böen von 5 - 6 Windstärken auch kein Problem. Zur
Sicherheit setzen wir das erste Reff um die Krängung des Bootes zu verringern. Meine
ersten Versuche am Ruder sind eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde und
am liebsten wäre ich dort gar nicht mehr weggegangen :) Trotz erstem Reff erreichen wir an diesem Tag unsere neue Höchstgeschwindigkeit
von 7,6 Knoten und als wir gegen halb sieben im Hafen einlaufen und nach einem perfekten
Jürgenmanöver in unserer Box festgemacht haben ist jeder ein bisschen stolz
auf das am Tag Geleistete.
Nur eineinhalb Stunden unter Motor und knapp 30 Meilen
gesegelt, nicht schlecht für den ersten richtigen Segeltag. Das verdiente
Einlaufbier und einen oder zwei oder drei lecker Sherry dazu runden den Tag ab und jeder
lümmelt zufrieden an seinem Plätzchen an Deck und wer nicht gerade ins Gespräch
vertieft ist, hängt seinen Gedanken nach. Zumindest ging es mir so! |
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Zum Abschluss des
Tages gehen wir mit Uwe noch zusammen in die Krone zum gemeinsamen Essen. Es gibt lecker Fisch in allen möglichen Varianten und als Kontrast
haben Inge und Dirk sich dazu Pommes bestellt. Zum Glück wurden ein paar mehr Pommes auf
den Tisch gestellt, so dass es auch noch für Jürgen und mich zum antesten gereicht hat.
Danach sind alle ziemlich k.o. und die heiße Dusche nach
unserer Rückkehr zum Boot trägt nach so einem Tag auch nicht gerade zur allgemeinen
Aufmunterung bei.
Ein Spielchen in Ehren kann niemand verwehren und so
schaffen wir es vor dem Schlafen gehen noch eine Runde Alhambra zu spielen.
Doch dann sind alle reif für die Koje und ich freue mich schon auf die neue Weckvariante
am nächsten Tag :) |