|
Segeln Website
- Revierinfos und Törnberichte - Bodensee - Come-together-04-I
- CT - I - 31.05.
| Hauptseite Morgen |
|
Ein Tag im Leben eines (oder zweier) absolut
unerfahrener Segler oder die es werden wollen. 4.00
Uhr - es regnet nach einem gestrigen sonnigen Ankunftstag. Die erste Nacht lässt sich
schwer schlafen, da das Koordinieren der körpereigenen Bestandteile
noch nicht so reibungslos ab. Man muss noch das Platzieren üben, wie man sich in einem
Gelege von 140 cm Breite in einem etwas unkomfortablen Mumienschlafsack Arme und Beine
verdreht, ohne den weiteren Schlafgenossen, in diesem Fall mein frischgebackener Ehegatte,
bei den minütlichen Wendungen immer eins auf die Nase zu verpassen.
Hat man denn dieses einigermaßen geschafft,
tropft es dann endlich in 30 sekündigem Abständen durch das offene Fenster trotz einiger
Ausweichversuche im Halbschlaf in mein Gesicht. Ist es nicht der Regen durch das offene
Fenster, so bleibt denn noch die weitere Möglichkeit von Schwitzwasser- tropft fast genau
so.
Eigentlich heißt es bei diesem durchtrainierten Skipper um
7.00 Uhr aufstehen, aber bei diesem Regen besteht nicht die Wahrscheinlichkeit, aus zu
laufen. Liegen bleiben- weiter schla- ha- ha- hafen, gääähn. |
|
 Mitseglerin Claudia |
| Aber so´n Käse, wer´s noch nicht weiß, ich
erzähl´s euch jetzt: Toilettenbenutzung auf dem Dampfer geht nicht, der Bottich ist
gleich voll, da können wer ja gleich ne öffentliche Toilette draus machen, also um 7.30
drückt das Bläschen, raus und mindestens 5 Minuten bis zum Waschhaus laufen, und ja
nicht den Schlüssel vergessen. Sonst geht das Ganze noch mal von vorne. Also macht man
gerade seine morgendliche Katzenwäsche, während Stefan und Monika das Frühstück
bereiten. Eine Bemerkung noch am Rande: Ist man
versucht, des Nachts die Toilette im Waschhaus auf zu suchen, geht´s je nach dem manchmal
nicht ganz leise ab ohne den bis dahin ungestörten Schlaf der weiteren Bordgenossen in
Mitleidenschaft zu ziehen, denn wenn man endlich erst mal aus dem Mumienschlafsack
herausgeschält, über den Mitschlafgenossen drüber gerutscht ist, knarrt bei Besteigen
der Treppe alles holzige auf der Yacht nicht überhörbar. Vielleicht fällt
denn auch die etwas unsachgemäß hingestellte Lukenverkleidung um und scheppert so laut,
dass alle bisher Schlafenden hochfahren und alle Alarmglöckchen bei ihnen klingeln. Also
lieber gleich vor Antritt der Reise Katheder mit 3 l Gefrierbeutelanschluss legen lassen. |
|
 

|
|
Zurück vom Waschgang machen Uvis und ich uns
über das Logbuch her. Was wird eingetragen? Temperatur
(unter Deck ermittelt) Windrichtung- an diesem Tag wir vielen anderen windstillen Tagen
unseres Törns- wir können uns die Richtung fast aussuchen, denn jeder Verklicker steht
anders.
Der Seegang wird ermittelt, natürlich kaum Seegang: 0-1.
Wetterlage, ob sonnig oder bewölkt, sowie der Luftdruck werden dokumentiert.
Es wird unterschieden zwischen einem nautischen,
technischen und einem meteorologischen Tagebuch, sowie Ereignisse und Erfahrungen des
betreffenden Tages eingetragen.
Gut gefrühstückt, reißt der Regen verhangene Himmel um
10.30 Uhr tatsächlich auf. Ha, da lacht des Skippers Herz, wir stechen in See. Aber bevor
es denn raus aufs stürmische schwäbische Meer hinaus geht, muss noch das
unvermeidliche erledigt werden- das rote Lämpchen des Fäkalientanks hat gestern
aufgeleuchtet, dieser muss an einer Absaugstation entleert werden (haben die Heini´s, die
gestern das Bötchen übergeben haben, einfach nicht geleert). |
 

|
|
Für uns Greenhornys geht´s nun
zum ersten mal los mit Anpacken. Dazu verteilt der Skipper per Anweisungen an jeden
Mitsegler eine definierte Aufgabe, benannt als Ab- oder Anlegemanöver. Leinen
los heißt, an Backbord- oder Steuerbordbug die Leinen erst von den Klampen und dann
vom Poller lösen, die Springs durch die Dalben ziehen, die Fender hochgeholt und der
Motor läuft mit halber Kraft los vom Anlegesteg. Es
dauert nicht lange, und er Himmel zieht sich schon wieder zu, während wir den
Fäkalientank leeren. In ähnlicher Reihenfolge mit etwas anderen Handgriffen lernen wir
das Anlegen und man erfährt so nach und nach, dass jeder Hafen anders
bestückt ist. Je nachdem, mit welcher Seite man anlegt, kommen die Springs
oder die Achterleinen zum Einsatz und müssen mit entsprechender Vertäuung um die Klampen
gewickelt werden. Da müssen die Knoten, die wir Tags zuvor schon etwas gelernt haben,
schon etwas sitzen.
Wir machen Regenpause und legen bei strömendem Regen an
unserem Liegeplatz an, um uns dann etwas Theorie rein zu ziehen. Es reißt auf
und euphorisch üben wir unter den fürsorglichen und sauber koordinierten Anweisungen
unseres Skippers wieder das Ablegen- hinaus auf der Fahrt ins Meer. Dort erlernen wir erst
mal das Gefühl für den Gebrauch des Dieselmotors, mit welcher Geschwindigkeit, wie viel
Knoten wir Fahrt machen. Wir vollziehen grandiose Wendemanöver viertel
angeschlagen bei 4 Knoten Fahrt, oder halb angeschlagen bei 2 Knoten, sowie Rückwärts
fahren, auch das geht. In das Logbuch wird jede 2. Stunde alles nennenswerte an Fakten und
Daten eingetragen. Es klappt allmählich auch mit dem Ermitteln der Windrichtung per
Kompass, ob Südost oder Süd-Südwest oder noch schöner Ost-Südost.
Es regnet mit kurzen Unterbrechungen und diese Regenpausen
werden denn auch genutzt, um endlich das Groß und die Genua zu
reffen. Dennoch reicht die Windstärke nicht zur stürmischen Fahrt und so ziehen wir
geschlagen die Segel wieder ein. Unter motorischen Einflüssen geht es wieder in den
Heimathafen zurück. Nach dem stärkenden Mahl der Zielerreichungsprämie:
Ihr seid schon eine vorbildliche Crew- ziehen wir die Zeltplane über das
Cockpit. |
|
 


|
| Für einen romantischen Abend im Scheine
unzähliger Öllampen werden Taue zu deren Befestigung kreuz und quer durch den Hafen
gespannt (in Wirklichkeit haben wir nie eine dieser Lampen daran aufgehängt, geschweige
denn zum Brennen gebracht). Heute bleibt die Küche
kalt, wir gehen in den ... nee, in die Fischerhütte auf der anderen Seite des
Hafens wird geschmaust, die Preise seien dort doch etwas humaner als beim
Schattmeier im Restaurante.
Wir haben uns den Bauch voll geschlagen, dass noch kein Eis
mehr reinpasst (schade, wir hätten doch die Bordkasse hemmungslos belasten können). |
|
 
|
|
Nach dem Nachhausebummel im abendlichen
Sonnenschein und einem abschließenden Absacker mit Raki aus Uvis´s Schatzkästlein (oder
war es Sherry?), einigen Planungen für den nächsten Tag, dem verzweifelten Gebet nach
Wind und Sonne, etwas verkrampften Gesichtszügen beim x-ten Hören des informativen
Seerundfunks mit der Voraussage für aufgelockerte Bewölkung mit ab und an Regenschauer
fallen wir geplättet in unsere gemütlichen Kojen,- ich hätte nach diesem langen Tag
wahrscheinlich stehend auf dem Wasser geschlafen. Und
so vergeht der zweite Tag. Holt euch schnell ne weitere Flasche Bier und lest nur weiter,
was der dritte Tag so bringen mag. Eure Claudia |
|