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Morgen

Ein Tag im Leben eines (oder zweier) absolut unerfahrener Segler oder die es werden wollen.

4.00 Uhr - es regnet nach einem gestrigen sonnigen Ankunftstag. Die erste Nacht lässt sich schwer schlafen, da das Koordinieren der körpereigenen Bestandteile
noch nicht so reibungslos ab. Man muss noch das Platzieren üben, wie man sich in einem Gelege von 140 cm Breite in einem etwas unkomfortablen Mumienschlafsack Arme und Beine verdreht, ohne den weiteren Schlafgenossen, in diesem Fall mein frischgebackener Ehegatte, bei den minütlichen Wendungen immer eins auf die Nase zu verpassen.

Hat man denn dieses einigermaßen geschafft,
tropft es dann endlich in 30 sekündigem Abständen durch das offene Fenster trotz einiger Ausweichversuche im Halbschlaf in mein Gesicht. Ist es nicht der Regen durch das offene Fenster, so bleibt denn noch die weitere Möglichkeit von Schwitzwasser- tropft fast genau so.

Eigentlich heißt es bei diesem durchtrainierten Skipper um 7.00 Uhr aufstehen, aber bei diesem Regen besteht nicht die Wahrscheinlichkeit, aus zu laufen. Liegen bleiben- weiter schla- ha- ha- hafen, gääähn.

Was will ich mehr? Das erste Mal auf See

Mitseglerin Claudia

Aber so´n Käse, wer´s noch nicht weiß, ich erzähl´s euch jetzt: Toilettenbenutzung auf dem Dampfer geht nicht, der Bottich ist gleich voll, da können wer ja gleich ne öffentliche Toilette draus machen, also um 7.30 drückt das Bläschen, raus und mindestens 5 Minuten bis zum Waschhaus laufen, und ja nicht den Schlüssel vergessen. Sonst geht das Ganze noch mal von vorne. Also macht man gerade seine morgendliche Katzenwäsche, während Stefan und Monika das Frühstück bereiten.

Eine Bemerkung noch am Rande: Ist man versucht, des Nachts die Toilette im Waschhaus auf zu suchen, geht´s je nach dem manchmal nicht ganz leise ab ohne den bis dahin ungestörten Schlaf der weiteren Bordgenossen in Mitleidenschaft zu ziehen, denn wenn man endlich erst mal aus dem Mumienschlafsack herausgeschält, über den Mitschlafgenossen drüber gerutscht ist, knarrt bei Besteigen der Treppe alles „holzige“ auf der Yacht nicht überhörbar. Vielleicht fällt denn auch die etwas unsachgemäß hingestellte Lukenverkleidung um und scheppert so laut, dass alle bisher Schlafenden hochfahren und alle Alarmglöckchen bei ihnen klingeln. Also lieber gleich vor Antritt der Reise Katheder mit 3 l Gefrierbeutelanschluss legen lassen.

Auspacken und Bunkern kann ja so anstrengend sein

Lieber Rasmus, wir beten Dich an .....

Schalttafel und Anzeigen

 

Zurück vom Waschgang machen Uvis und ich uns über das Logbuch her. Was wird eingetragen?

Temperatur (unter Deck ermittelt) Windrichtung- an diesem Tag wir vielen anderen windstillen Tagen unseres Törns- wir können uns die Richtung fast aussuchen, denn jeder Verklicker steht anders.

Der Seegang wird ermittelt, natürlich kaum Seegang: 0-1. Wetterlage, ob sonnig oder bewölkt, sowie der Luftdruck werden dokumentiert.

Es wird unterschieden zwischen einem nautischen, technischen und einem meteorologischen Tagebuch, sowie Ereignisse und Erfahrungen des betreffenden Tages eingetragen.

Gut gefrühstückt, reißt der Regen verhangene Himmel um 10.30 Uhr tatsächlich auf. Ha, da lacht des Skippers Herz, wir stechen in See. Aber bevor es denn raus aufs „stürmische“ schwäbische Meer hinaus geht, muss noch das unvermeidliche erledigt werden- das rote Lämpchen des Fäkalientanks hat gestern aufgeleuchtet, dieser muss an einer Absaugstation entleert werden (haben die Heini´s, die gestern das Bötchen übergeben haben, einfach nicht geleert).

Na denn mal, - alle an Bord

Und wo soll's heute hingehen ????

Frühstück an Bord

 

Für uns „Greenhornys“ geht´s nun zum ersten mal los mit Anpacken. Dazu verteilt der Skipper per Anweisungen an jeden Mitsegler eine definierte Aufgabe, benannt als Ab- oder Anlegemanöver. „Leinen los“ heißt, an Backbord- oder Steuerbordbug die Leinen erst von den Klampen und dann vom Poller lösen, die Springs durch die Dalben ziehen, die Fender hochgeholt und der Motor läuft mit halber Kraft los vom Anlegesteg.

Es dauert nicht lange, und er Himmel zieht sich schon wieder zu, während wir den Fäkalientank leeren. In ähnlicher Reihenfolge mit etwas anderen Handgriffen lernen wir das Anlegen und man erfährt so nach und nach, dass jeder Hafen anders „bestückt“ ist. Je nachdem, mit welcher Seite man anlegt, kommen die Springs oder die Achterleinen zum Einsatz und müssen mit entsprechender Vertäuung um die Klampen gewickelt werden. Da müssen die Knoten, die wir Tags zuvor schon etwas gelernt haben, schon etwas „sitzen“.

Wir machen Regenpause und legen bei strömendem Regen an unserem Liegeplatz an, um uns dann etwas Theorie rein zu ziehen. „Es reißt auf“ und euphorisch üben wir unter den fürsorglichen und sauber koordinierten Anweisungen unseres Skippers wieder das Ablegen- hinaus auf der Fahrt ins Meer. Dort erlernen wir erst mal das Gefühl für den Gebrauch des Dieselmotors, mit welcher Geschwindigkeit, wie viel „Knoten“ wir Fahrt machen. Wir vollziehen grandiose Wendemanöver viertel angeschlagen bei 4 Knoten Fahrt, oder halb angeschlagen bei 2 Knoten, sowie Rückwärts fahren, auch das geht. In das Logbuch wird jede 2. Stunde alles nennenswerte an Fakten und Daten eingetragen. Es klappt allmählich auch mit dem Ermitteln der Windrichtung per Kompass, ob Südost oder Süd-Südwest oder noch schöner Ost-Südost.

Es regnet mit kurzen Unterbrechungen und diese Regenpausen werden denn auch genutzt, um endlich das „Groß“ und die „Genua“ zu reffen. Dennoch reicht die Windstärke nicht zur stürmischen Fahrt und so ziehen wir geschlagen die Segel wieder ein. Unter motorischen Einflüssen geht es wieder in den Heimathafen zurück. Nach dem stärkenden Mahl der „Zielerreichungsprämie“: „Ihr seid schon eine vorbildliche Crew“- ziehen wir die Zeltplane über das Cockpit.

Tagebuchaufzeichnungen

Mal ein Käffchen und Kuchen zwischenrein

Es wird ernst, wir sind an Bord und legen los

Auf zur Fischerhütte bei diesem Wetter

Für einen romantischen Abend im Scheine unzähliger Öllampen werden Taue zu deren Befestigung kreuz und quer durch den Hafen gespannt (in Wirklichkeit haben wir nie eine dieser Lampen daran aufgehängt, geschweige denn zum Brennen gebracht).

Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den ... – nee, in die Fischerhütte auf der anderen Seite des Hafens wird geschmaust, die Preise seien dort doch etwas humaner als beim „Schattmeier“ im Restaurante.

Wir haben uns den Bauch voll geschlagen, dass noch kein Eis mehr reinpasst (schade, wir hätten doch die Bordkasse hemmungslos belasten können).

Steak alla caprese

Bodenseefelchen, - ..... lecker ....

Nach dem Nachhausebummel im abendlichen Sonnenschein und einem abschließenden Absacker mit Raki aus Uvis´s Schatzkästlein (oder war es Sherry?), einigen Planungen für den nächsten Tag, dem verzweifelten Gebet nach Wind und Sonne, etwas verkrampften Gesichtszügen beim x-ten Hören des informativen Seerundfunks mit der Voraussage für aufgelockerte Bewölkung mit ab und an Regenschauer fallen wir geplättet in unsere gemütlichen Kojen,- ich hätte nach diesem langen Tag wahrscheinlich stehend auf dem Wasser geschlafen.

Und so vergeht der zweite Tag. Holt euch schnell ne weitere Flasche Bier und lest nur weiter, was der dritte Tag so bringen mag. Eure Claudia


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